hntrlnd » Demonstration http://www.hntrlnd.de Lenin, Leute, Brot und Spiele Fri, 27 Jun 2014 19:11:05 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.8.1 Die Besetzung Kharkovs http://www.hntrlnd.de/?p=513 http://www.hntrlnd.de/?p=513#comments Thu, 24 Apr 2014 09:36:24 +0000 http://www.hntrlnd.de/?p=513 Kharkov ist eine Metropole mit zwei Millionen Einwohnern im Nordosten der Ukraine, ca. 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Eine pro-europäische Episode über „die Ereignisse“, wie man das hier nennt, ist folgende: Als die Krim „heim ins Reich“ geholt wurde (auch diese Aussage ist nicht von mir), hatte auch Kharkov mit den Auswirkungen des russisch-ukrainischen Konflikts zu kämpfen. Diese Auswirkungen stellten sich so dar, als dass eine nicht geringe Anzahl angeblich einheimischer Anhänger eines Anschlusses der Stadt an die Russische Föderation ein Verwaltungsgebäude besetzten. In Kharkov gibt es eine große Zahl an Verwaltungsgebäuden, da man diese Stadt getrost als das Zentrum von Bildung und Kultur in der Ukraine bezeichnen kann, hier finden sich zum Beispiel fast alle namhaften Universitäten des Landes. kharkov_1Erstaunlich an der Besetzung des Verwaltungsgebäudes war der Umstand, dass ihr so gut wie keine Gegenwehr entgegengebracht wurde, was man anfangs sicher so deuten kann, dass ein Großteil der Bevölkerung diesen Anschluss befürworten würde.

Als am nächsten Tag, bei Lichte besehen, das Ausmaß der Besetzung deutlich wurde – an einer Ecke hatte es gebrannt, ein paar Barrieren wurden aufgebaut, es gab wohl auch Verletzte – wurde eins besonders klar: Die Aufständischen hatten die Oper besetzt, sich in der Adresse geirrt, das Rathaus steht ein paar Straßen weiter. Welch Glück für diese Stadt, zeigt es doch, warum keiner ihnen Einhalt gebot. Die Oper in Kharkov ist zudem ein sehr, sehr unansehnlicher 70er-Jahre Zweckbau, um den wohl keiner trauern würde, wenn er abgerissen wird. Zudem machte diese Aktion klar, dass unter den pro-russischen Kräften mit Sicherheit kaum Einheimische gewesen sein können, was die Lage in der Stadt augenblicklich stabilisierte. So kam es dann auch, dass die Provokateure, wie man sie seitdem nennt, als sie ihren Fehler bemerkten (und den Bärendienst, den sie ihrer Sache erwiesen hatten), so schnell verschwanden, wie sie gekommen waren, wahrscheinlich teilweise wieder über die Grenze nach Russland. Diese Anekdote ist auch nach einigen Wochen immer noch ein Running Gag in der Stadt; wenn jemand schlecht gelaunt ist, sagt man: „Besetz doch einfach die Oper. Oder iss nen Snickers.“
kharkov_rathaus

]]>
http://www.hntrlnd.de/?feed=rss2&p=513 5
Demonstration in Kharkov http://www.hntrlnd.de/?p=460 http://www.hntrlnd.de/?p=460#comments Wed, 23 Apr 2014 20:27:40 +0000 http://www.hntrlnd.de/?p=460 001Nachdem wir heute in Kharkov angekommen sind, erhielten wir die Information, heute würde „was gehen“, sprich: 18 Uhr solle auf dem Platz der Unabhängigkeit, dessen Denkmal erst vor zwei Jahren errichtet wurde, eine Demonstration „Pro Ukraine“ stattfinden. Also hin da, Kamera nicht vergessen.
DSC00978Während die Demonstration ihren Lauf nahm, der Pater der ukrainischen Kirche die Einleitung sprach und die Menschen sich bekreuzigten, marschierten unbemerkt an der Flanke junge Männer mit ernstem Blick, Turnhosen und Sportschuhen auf; hauptsächlich in schwarz gekleidet. An ihnen waren keinerlei Symbole der Ukraine zu finden, auch keine Spur von Freundlichkeit war zu entdecken, sie machten einen sehr angespannten und ungewöhnlich aufmerksamen Eindruck. Ihr Begrüßungsritual bestand aus einem für mich verdächtigen, gegenseitigen Berühren des rechten Unterarms, und ich hätte ihnen eine Verschärfung der Situation zugetraut, doch dazu kam es nicht, denn sowohl freiwillige Kräfte aus der Demonstranten-Szene als auch die Ultras des hiesigen Fußballvereins Metallist Charkov standen Spalier im Kreis um die Demonstranten.
DSC00956Eine Funktion, die ich eigentlich den zahlreich anwesenden Milizen, Polizisten und paramilitärischen Einheiten zugestanden hätte, doch diese hielten sich deutlich zurück und liefen eher locker zwischen den Anwesenden umher, anstatt einen Formation zu bilden, wie ich es aus Deutschland kenne. Laut der Aussage unsere einheimischen Freundes Kosko sei diesen Einheiten aber sowieso nicht zu trauen und im Ernstfall wisse man hier nicht, für wen sie Partei ergreifen würden, also sei es nur logisch, eine eigene Verteidigungslinie aufzubauen.

Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014 Kharkov 23.04.2014

Die Themen, die während dieser Demonstration angesprochen wurden, beschränkten sich hauptsächlich auf das Skandieren etablierter Slogans wie „Slava Ukranina, gerojem slava“
Der Redner ruft: „Kharkiv!“, die Menge skandiert „Ukrania!“. Die Nationalhymne wird gesungen, ich stehe aus Respekt still und mir läuft ein leichter Schauer über den Rücken, weil es wirklich eine schöne Hymne ist und ich solche Bekundungen zum eigenen Staat aus Deutschland nicht kenne und dort auch verurteilen würde, aber das ist gehört nicht hierher, es geht hier nicht ums deutsche Verständnis von Nationalbewusstsein. Soweit ich es dann verstehen konnte, waren die Reden nicht von abstrakten politischen Konzepten geprägt, sondern vielmehr wurde immer wieder der soziale Zusammenhalt der gesamten Ukraine auf einfache Art und Weise thematisiert, besonders feststellbar bei den leiseren Redebeiträgen. Die Redner waren Geistliche, einfache Bürger, Blogger – Politiker habe ich keine entdecken können – die gesamte Demonstration machte auf mich den Eindruck einer von den Bürgern selbstorganisierten Veranstaltung. Kinder waren keine zu entdecken, ansonsten gab die Demonstration alles her, was die Gesellschaft zu bieten hat.

DSC00988Obwohl am Ende alles friedlich ablief, konnte ich eine deutliche Anspannung unter den Demonstranten spüren, was auch an den zahlreich Vermummten gelegen haben mag, die teilweise mit Stahlhelmen und eigenkonstruieren Verteidigungswerkzeugen bewährt waren. Unser Freund Kosko hatte deutlich mehr Respekt vor der Situation, während wir einfach mitten rein gingen und Fotos machten. Aber er ist wohl auch anders geprägt aufgrund der vergangenen Ereignisse, die sicherlich nicht so friedlich abliefen wie das hier beschriebene, wenn man den Fotos glauben darf, die man im Netz findet.

]]>
http://www.hntrlnd.de/?feed=rss2&p=460 0
Am Protestcamp in Odessa http://www.hntrlnd.de/?p=663 http://www.hntrlnd.de/?p=663#comments Tue, 22 Apr 2014 04:42:23 +0000 http://www.hntrlnd.de/?p=663 Das Protestcamp und seine hundert Teilnehmer.

Das Protestcamp und seine hundert Teilnehmer.

Das Protestcamp ist so gut wie leer, Passanten spazieren ohne Interesse vorbei. Die Plakate, welche um die Zelte herum drapiert wurden, zeigen Alterserscheinungen. Die Foto-Text-Kompositionen, die an frühere Wandzeitungen erinnern, blättern an den Rändern auseinander. Wenn ich fragend am abgesteckten Claim stehe, werde ich von keinem der übrig gebliebenen zwanzig oder dreissig Protestler beachtet. Die Protagonisten dieses verschlafenen Dörfchens drehen sich eher weg. Keine Fernsehkamera interessiert sich für diesen verschlafenen Rest. Die Ohnmacht scheint den Protestlern auf die Stirn geschrieben. Vielleicht stimmen sie inzwischen auch mit dem mobilen Kaffeeverkäufer überein, der dazu nur sagt: “Vergebene Liebesmühe” (frei übersetzt). “Warum?” frage ich. “Es hat sich doch alles wieder stabilisiert, was wollen die noch hier?” “Kaufen sie wenigstens Kaffee?” frage ich. “Nein, keiner von denen.” antwortet er grinsend.

Viele Sprüche, wenig Anteilname.

Viele Sprüche, wenig Anteilname.

Gut genug zu verstehen...

Gut genug zu verstehen…

Wir sind für - Wir sind gegen

Wir sind für – Wir sind gegen

Die EU nimmt uns nicht, noch heiraten wir nicht

Die EU nimmt uns nicht, noch heiraten wir nicht

Furcht vor Krieg, oder Ängste schüren?

Furcht vor Krieg, oder Ängste schüren?

Die alten Oligarchen waren erfolgreicher...

Die alten Oligarchen waren erfolgreicher…

Odessa für ein Referendum (?)

Odessa für ein Referendum (?)

?

?

Odessa, steh auf - Anton wurde verhaftet, aber seine Taten leben weiter!

Odessa, steh auf – Anton wurde verhaftet, aber seine Taten leben weiter!

Erinnerung an die russische Marine und Vergleich des Maidan-Protestes mit ukrainischer Nazi-Vergangenheit

Erinnerung an die russische Marine und Vergleich des Maidan-Protestes mit ukrainischer Nazi-Vergangenheit

Alle Fahnen der involvierten Parteien wehen über dem Camp.

Alle Fahnen der involvierten Parteien wehen über dem Camp.

Die Opfer des Maidan aus russischer Sicht

Die Opfer des Maidan aus russischer Sicht

Russland, Ukraine, Weissrussland. Zusammen sind wir die heilige Rus!

Russland, Ukraine, Weissrussland. Zusammen sind wir die heilige Rus!

]]>
http://www.hntrlnd.de/?feed=rss2&p=663 0